Niedersachsen und Franken – „Des Bassd scho…“

Groß Escherde/Eckersmühlen – Was mit einer Facebook-Bekanntschaft begann, wurden nun offiziell besiegelt. Die Freiwilligen Feuerwehren Groß Escherde und Eckersmühlen beurkundeten ihre Partnerschaft im Rahmen des 117-jährigen Jubiliäums der Feuerwehr aus Niedersachsen und feierten das dann gleich im Rahmen des dortigen Oktoberfestes. Und bereicherten das Fest mit ein wenig fränkischem Brauchtum….

„Ein Klick zum Glück…“

Im Januar diesen Jahres startete der Ortsbrandmeister Sascha Mehner einen Aufruf in Facebook. Die Freiwillige Feuerwehr Groß Escherde suchte eine Partnerfeuerwehr in Bayern, die auch zu der 117-Jahr-Feier mit Oktoberfest im August 2019 kommen sollte. Der damalige Schriftführer und heutige Vorstand Steffen Schaefer der Freiwilligen Feuerwehr Eckersmühlen war sozusagen der Schnellste und so war es zwar eine Feuerwehr aus Franken, aber das liegt ja auch in Bayern.

Schnell entwickelte sich zwischen dem Ortsbrandmeister aus Niedersachsen und dem Kommandanten Markus Toholt und Vorstand Steffen Schaefer eine Facebook- und WhatsApp-Freundschaft – also ganz modern. Bei den jeweiligen Jahreshauptversammlungen wurde die Partnerschaft vorgestellt und nun ging es los.

„Die Kerwa ist kumma, die Kerwa is do….“

Zur Kirchweih  in Eckersmühlen kamen die Kameraden aus Groß Escherde mit einer Abordnung, um sich Gegenseitig zu „beschnuppern“. Was soll man groß erzählen, dass Beschnuppern viel aus, man ging gleich zum Feiern über und es hat einfach gepasst. Die Kameraden aus Groß Escherde ließen es sich sogar nicht nehmen, den damals erkrankten Vorstand gemeinsam mit dem Kommandanten im Krankenhaus zu besuche, trotz engen Zeitplans am Kerwa-Samstag, da musste ja noch ein Kerwa-Baam aufgestellt werden.

Auch beim anschließenden Tauziehen waren sich die Kameraden nicht zu schade mit zu machen und belegten einen hervorragenden vierten Platz.

„Auf gehts zum Oktoberfest…“

An diesem Wochenende war es nun soweit. Der Gegenbesuch stand an. Mit einer Abordnung von über 20 Kameraden und Kameradinnen machten sich die Eckersmühlener aus zwei Himmelsrichtungen, der Vorstand kam mit seiner Familie von der Ostsee aus dem Urlaub, auf dem Weg nach Groß Escherde, das liegt bei Hildesheim.

Am Freitag, den 23. August, ging es um 9.00 Uhr in Eckersmühlen, und um 10 Uhr in Heiligenhafen los. Nach ein paar Stunden (mehr als geplant) Fahrt traf die Abordnung in Groß Escherde am späten Nachmittag ein. Hier wurde Ecksermühlen schon sehnsüchtig erwartet und die Freude über das Wiedersehen und Kennenlernen war riesengroß.

Es ging auch schon gleich los. Mit einem Zug zum Kriegerdenkmal und einer Kranzniederlegung wurde zunächst der toten Kameraden gedacht. Danach konnten die Quartiere, allesamt bei Kameraden zu Hause, bezogen werden.

Um 19.00 Uhr begann dann der Festkommers im Festzelt. Orstbrandmeister Sascha Mehner führte souverän durch den Abend. Er begrüßte alle Gäste der Nachbarwehren und der neuen Partnerwehr aus Eckersmühlen. Sein Stellvertreter Yannick Brochers berichtete in einem Überflug über 117 Jahre Groß Escherde.

Aber auch die Feuerwehr Eckersmühlen hatte ihren Anteil an diesem Abend. Die mitgereisten Hornisten bereicherten auf Wunsch des Orstsbrandmeisters  den Abend und spielten drei Märsche über den Abend verteilt.

Nun wurde es Ernst. Um die Partnerschaft zu besiegeln wurden nun Kommdanten Markus Toholt und Vorstand Steffen Schaefer auf die Bühne gebeten. Feierlich wurde die Partnerschaftsurkunde von Ortsbrandmeister Sascha Mehner und seinem Vertreter Yannick Borchers sowie den beiden Vertretern aus Eckersmühlen in zweifacher Ausfertigung unterzeichnet. Darüberhinaus überreichte die Feuerwehr Groß Escherde der Feuerwehr Eckermsühlen eine über 100 Jahr alte Bohle mit dem Insignien der beiden Wehren.

Aber auch geehrt und befördert wurde an diesem Abend. Mehrere Kameraden wurden befördert, die höchste Auszeichnung erhielt aber Hans-Joachim Mehner. Er ist der Vater des aktuellen Orstbrandmeisters Sascha Mehner, war selbst jahrelang Orstbrandmeister, und wurden durch den Bürgermeister der Gesamtgemeinde Nordstemmen, zu der Groß Escherde gehört, zum Ehrenortsbrandmeister ernannt und für 40 Jahre Feuerwehrdienst geehrt. Danach wurde gefeiert und die Kameraden aus Eckersmühlen bekamen einen  kleinen Vorgeschmack auf den Samstag,

„O’zong is ….“

Nach einer kurzen Nacht trafen sich die beiden Wehren im Dorfgemeinschaftshaus zum gemeinsamen Frühstück Hier konnten nun auch die mitgebrachten Geschenke überreicht werden. So erhielten die Kameraden aus Groß Escherde ein paar fränkische Spezialitäten sowie einen echten Eckersmühlener Feuerwehr-Schnaps. Die Jugendfeuerwehr erhielt einen großen Grisu und die Kinderfeuerwehr für jedes Mitglied kleine Grisus.

Nach einem Besuch von Schloß Marienburg begann schon wieder das Festprogramm. Mit einem Zeltgottesdienst wurden die Feuerwehrler beschwingt auf den Nachmittag eingestimmt. Es galt Kräfte zu sammeln. Das Tauziehen, übernommen von der Kerwa aus Eckersmühlen, stand auf dem Programm. Zehn Mannschaften aus den Nachbarwehren und örtlichen Vereinen traten gegeneinander an. Auch Eckersmühlen stellte eineinhalb Mannschaften, die migereisten Jugendfeuerwehrler waren am Start, und eine gemischte Mannschaft aus Franken und Niedersachsen. Der Schriftführer aus Eckersmühlen, Max Besold und Sascha Mehner führten durch den Wettkampf. Das aus Franken mitgebrachte 20-Liter-Fass gewann die Freiwillige Feuerwehr Himmelsthür aus dem Nachbarort knapp vor der Heimatwehr aus Groß Escherde.

„O’Zapft is …“

Mit dem Anstich des Bürgermeisters des Festbierfasses am Abend begann dann das eigentliche Oktoberfest. Die „Schilehrer“ aus dem Stubaital spielten auf und der Abend wurde einfach genial. Bis in die frühe Morgenstunden wurde getanzt und gefeiert. Und so mancher Franken dachte sich: „Feiern kenna die fei“.

„Festumzug mal anders….“

Am Sonntag wurde es dann nochmal offiziell. Nachdem Frühschoppen im Festzelt, wurde sich zum Festumzug aufgestellt. Knapp 30 Gruppen aus Feuerwehrlern und anderen Vereinen nahmen teil. Begleitet von mehrern Spielmannszügen ging es dann durch das gesamte Dorf. Etwas anders wie aus Franken gewöhnt wurden die Kameraden aus Eckersmühlen hier aber, fast wie beim Triathlon, an mehrer Versorgungsständen, nicht nur mit Wasser, versorgt. So wurde das sehr heiße Wetter zumindest im punkto Flüsskigkeit einigermaßen ertragbar.

„Als Kameraden gekommen, als Freunde gegangen…“

Im Festzelt angekommen wurde es nochmal fränkisch. Die Eckersmühlener zeigten den Anwesenden das Fahnenschwenken (Video siehe unten). In den Abschiedesreden von Ortsbrandmeister Sascha Mehner und Kommandant Markus Toholt stand im Vordergrund, welche Freundschaften hier entstanden sind und es wurde immer wieder betont, dass das fränkische „Bassd scho“ hier nicht abwertet zu verstehen ist, sondern das höchste Lob bedeutet, dass man bekommen kann.

„Eine solche Gastfreundschaft und Kameradschaft, wie in diesen Tagen, kann ihresgleichen suchen. Hier kann man wirklich sagen – als Kameraden gekommen und als Freunde gegangen, aber nicht lang.“, so Vorstand Steffen Schaefer.

Spätestens zur Kirchweih 2020 in Eckersmühlen sehen wir uns wieder.

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